Nie mehr Schule….

26. Jun. 2020

Nie mehr Schule….

…keine Schule mehr….

Der Klassiker der NDW (für die Jugend – Neue deutsche Welle, das, was wir Alten vor 35 Jahren gehört haben) ist ziemlich aktuell. Wer Kinder bzw. Schüler betreut, bekocht, psychiatriert, etc., hat in den letzten Monaten mehr zu tun als üblicherweise um diese Jahreszeit.

Wer meine Beiträge genau liest, hat schon mitbekommen, dass ich eigentlich nur im Nebenjob Geschäftsführer der Ebster-Gruppe bin. Meine Profession und Leidenschaft gilt den häuslichen 4 Wänden, die 3 Jugendliche und 2 Schildkröten beherbergen. Bis vor kurzem noch mit unseren verblichenen Haustieren Kater “Carlo” und einem Hasen, dessen Name mir aus mangelnder Freundschaft schon entfallen ist.
Diesen Zoo verwalte ich gemeinsam mit der Direktorin Tanja – meiner lieben Frau und Co-Dompteurin.

Wie war nun diese Lock-Down-Periode? Eingesperrt mit Raubtieren, die man nur mit permanenter Eiweißversorgung von sich abhalten konnte?

Jeder wird wohl seine individuellen Erfahrungen gemacht haben, es war auf jeden Fall einzigartig.
Eine Erfahrung, die der Nachwuchs einerseits nicht missen will, andererseits auch wieder die Erkenntnis, dass eine gewisse Regelmässigkeit im Leben auch nicht so unangenehm ist.
In 2 Bereichen, nämlich der Erwachsenenbildung mit Abendunterricht und der Pflichtschule, bekomme ich heute Unterstützung von Ines Strasser (Maturaausbildung im WIFI) und meiner Schwester Sonja Andessner. Meine Neffe Ben ist ja gerade im Zielsprint der Mittelschule Henndorf, bevor er kommendes Jahr nach Kuchl geht, um ein Holzwurm zu werden.

Also, was nehmen wir von dieser „Stayathome“-Zeit mit?

In den höheren Schulen mit schon mündigen Azubis kann man sicher den Unterricht partiell fernmündlich durchführen.
Der Widerstand wird bei solchen Vorschlägen natürlich enorm sein, da im selbigen Fall die Vergütungen oder der Verpflichtungsumfang bei den Lehrkräften fallen würde.
In den Pflichtschulen werden diese Möglichkeiten durch das Alter der Kinder und die beruflichen Verpflichtungen der Eltern limitiert.

Sonja:
„Die Umstellung war für viele Pädagogen definitiv nicht einfach. Speziell für jene, die mit den Medien vorab nichts so viel am Hut hatten. Wachsen an der Herausforderung war da die Devise und die Mittelschule Henndorf hat dies perfekt erledigt. Die Motivation und Vorarbeit speziell der beiden Klassenvorstände, aber auch der Lehrer war enorm, die Umsetzung perfekt. Die Erreichbarkeit für die Kinder beinahe permanent. Trotz allem war es für die Eltern im Homeoffice eine enorme Belastung, auch mit einwandfreier schulischer Unterstützung, einen organisierten Schulalltag zu Hause zu gestalten, Termine einzuhalten, YouTube Tutorials zu durchforsten, bei Chemieversuchen zu unterstützen usw.. Das hat zu vielen Diskussionen geführt…“

Klare Aussage, Komfortzone war es keine (vor allem bei den Chemieversuchen wäre ich gerne dabei gewesen, Schwefelwasserstoff und so), aber in diesem Beispiel mit Vorbildpädagogen hat es funktioniert. Natürlich auch nur, weil die Eltern im Homeoffice waren.
In Abendunterricht sieht Ines viele Vorteile in dieser Unterrichtsform, alleine die Anfahrtszeiten und gesetzlich vorgeschriebene Pausen kosten Zeit. Das tut weh, wenn man den ganzen Tag bereits gearbeitet hat. Ein nicht zu unterschätzender Aspekt, den die junge Dame aufwirft – der Vorteil für unsere Umwelt, verminderte Fahrten, eine schnelle Hochrechnung, 30 Kinder pro Klasse, die von mindestens 15 PKW abgeliefert werden mal Anzahl Pflichtschulen Salzburg mal Österreich mal Europa mal Globus. Eine monströse Rechnung.

Wie im Frontalunterricht sind einige Lehrer auch in dieser disruptiven Phase total flexibel gewesen und hatten innerhalb von Tagen die Methodik perfekt umgestellt. Viele Kollegen sahen dies wieder einmal ganz anders und verteilten Stoff per E-Mail, fanden es aber nicht einmal wert, die absolvierten Hausübungen durchzukorrigieren. Wie in der gesellschaftlichen Normalverteilung halt, 20% sind engagiert, 50% machen mit per Dienstvorschrift und der Rest (an alle Mathelehrer, wieviel ist das dann?) nicht einmal das.

Das gleiche gilt vice versa auch für die Schüler. Einer meiner Jungs ist Klassensprecher und hat hier schon Essays auf WhatsApp verfasst, um seine Kollegen zum Schulbesuch am Zwickeltag zu motivieren. Dazu sei erwähnt, dass die Lehrer ja Order hatten, am Zwickeltag keinen Unterricht abzuhalten. War ja in den Monaten vorher so viel zu tun, da braucht man eine kreative Pause, natürlich. Er hat einen Klassenvorstand, der FREIWILLIG und ohne Bezahlung diesen Unterricht spendete. Was ist das den für ein seltenes Subjekt? Ganz klar aussterbende Spezies.
Trotzdem 5 Sterne, 4 Hauben oder was auch immer eine Lehrkraft hier verdient.

Was ich noch nie erwähnt habe, meine Gattin war früher einmal Schulsprecherin, einer meiner Söhne ist Schulsprecher, der andere siehe oben Klassensprecher, meine Tochter zu guter Letzt auch Class Speaker. Die Frage, ob ich zuhause zu Wort komme, erübrigt sich jetzt wohl 🙂
Vermute, dass ich deswegen zum schreiben begonnen habe…..

Aber zurück – eines wird mir immer klarer. Die Möglichkeiten, über E-Learning per unzähligen Instituten, Akademien, YouTube-Videos, Podcasts, uvm. sein Wissen zu erlangen, wird und muss dem klassischen Frontalunterricht (ok, ab dem 16. Lebensjahr…) Druck machen. Auch die Lernmethodik ist zu hinterfragen. Auswendig lernen ist doch in dieser komplexen und schnelllebigen Zeit ein Antagonismus, der fast schon irrwitzig ist.
Jetzt könnte man behaupten, na, dann wüsstest du aber nicht, dass die Maria Theresia von 1740-1780 geherrscht hat oder wann der Wiener Kongress samt Fürst Metternich getagt hat – alles durch Drill hängengeblieben. Stimmt, aber hätte ich damals Werke über diese Zeit gelesen und historische Zusammenhänge vor und hinter den Kulissen mit Stories verknüpft, dann wüsste ich noch viel mehr. Ich glaube nicht, dass das allen Teilen des Unterrichtssystems klar ist.

Der korrekte Weg wird irgendwo in der Mitte liegen – Gruppenarbeiten und Fragestunden vor Ort, intensive Lernphasen zuhause. Das sieht mir am vernünftigsten aus.
Übrigens, am Mittwoch hatte ich mein erstes richtiges Webinar – knackig, ohne An- u. Abfahrt samt Parkplatzsuche und in 90 min das erfahren, wofür ich im klassischen Wege einen Vormittag gebraucht hätte. Auch ein Teil der Zukunft, Corona hin oder her.

Das Schlußwort bekommt aber heute unsere Ines – „Wagen wir doch den Schritt nach vorne, um dauerhaft die Kreidezeit der Bildungsmethodik hinter uns zu lassen!“